Aktuelle Ausgabe
Was bin ich?
Es ist verwunderlich, dass wir nach eineinhalb Dekaden Industrie 4.0 immer noch oft „Was bin ich?“ mit den in der Produktion erhobenen Daten spielen und gleichzeitig über den Einsatz von Data Spaces diskutieren und KI-basierte Funktionen implementieren wollen. Denn obwohl wir dank der digitalen Transformation inzwischen riesige Mengen an Daten erheben, ist es immer noch die große Kunst, aus diesen Datenbergen die wirklich entscheidenden Informationen zu extrahieren.
Systemkritisch dafür ist der Datenkontext. Und der fällt leider (noch) nicht einfach so vom Himmel, sondern muss oft weiterhin manuell hinzugefügt werden. Kein Wunder also, dass der Wandel der Daten von einer diffusen Informationsmasse hin zum echten Wertschöpfungsfaktor immer noch andauert.
Das atp magazin 4/2026 zur Hannover Messe 2026 zeigt deshalb nicht nur, warum die atenkontextualisierung entscheidend für die Zukunft der automatisierten Produktion ist, sondern auch die Data Spaces und Industrial AI vom Ende des „Daten-Ratens“ profitieren können.
Das Interview-Highlight:
„OPC UA ist der entscheidende Baustein der Industrie der Zukunft“
Interoperabilität wird für den Maschinenbau zum strategischen Muss. Darin sind sich Stefan Hoppe (OPC Foundation) und Andreas Faath (VDMA MII) einig. Nur wenn Maschinen, Anlagen und IT-Systeme semantisch eindeutig miteinander sprechen, lassen sich flexible Produktionsanforderungen und digitale Geschäftsmodelle realisieren. Als Schlüsseltechnologie sehen die beiden OPC UA mit Companion Specifications: einen offenen, sicheren und skalierbaren Standard, als Bindeglied zwischen OT und IT.
Die peer-reviewten Hauptbeiträge:
„Wie hilft mir Semantik beim Anlagenengineering?“
Ontologie als Enabler im Anlagenlebenszyklus
Semantische Modelle und Ontologien sind ein mächtiges Werkzeug, um Wissen formal abzubilden und zu nutzen. Dieser Beitrag fasst die im Forschungsprojekt „Werk 4.0“ entwickelten Ergebnisse einer domänenübergreifenden Ontologie zusammen. Sie ermöglicht die formale Abbildung von technischem Engineering-Wissen und deckt dabei die Lebenszyklus Phasen Planung, Engineering und Betrieb von Produktionsanlagen ab. Engineering-Wissen aus Mechanik, Elektrotechnik und Automatisierung wurden in einem gemeinsamen semantischen Modell integriert und direkt mit den zugehörigen Geschäftsprozessschritten verknüpft. Diese Wissensbasis ermöglich automatisierte Prüfungen und Interoperabilität im Engineering über die verschiedenen Lebenszyklus Phasen einer Anlage.
„Wie geht das konkret mit der Energieeffizienz?“
Steigerung der Energieeffizienz in der Industrie
Regulatorisch und wirtschaftlich ist es geboten Energie in der Industrie möglichst effizient einzusetzen und letztlich den Energieeinsatz auch deutlich zu reduzieren. Diese gilt insbesondere für energieintensive Industriezweige wie etwa die Chemie-, Papier-, Ernährungs-, Stahl-, Zement- oder Glasindustrie. Andererseits zeigt sich, dass auch hier immer noch große Potenziale in der Prozessoptimierung zu heben sind. Ansätze wie Wärmerückgewinnung, DC-Systeme, aber auch schlicht die optimierte Prozessführung durch bessere Automatisierung können hier helfen. Der vorliegende Beitrag gibt hierzu zunächst eine Übersicht auf Basis einer Studie zur Energieeffizienz in der Industrie und zeigt dann anhand von Beispielen, wie mit überschaubarem Aufwand erhebliche Effekte erzielt werden können.
„Kann ich die AAS im Brownfield einsetzen?“
Die AAS in der Praxis
Die Verwaltungsschale (AAS) ist standardisiert und findet immer mehr Anwendungsbereiche. Die Spezifikationen werden fortlaufend ergänzt und erweitert und es kommen neue Teilmodelle für spezifische Anwendungsfälle hinzu. Digitalisierung betrifft nicht nur Neuanlagen, sondern spielt insbesondere im Bestand eine wichtige Rolle. Im vorliegenden Beitrag wird untersucht, wie sich die Verwaltungsschale hierzu im Brownfield einsetzen lässt. Nach der erstmaligen Erstellung für eine Gesamtanlage wurde hier insbesondere der Tausch von Komponenten betrachtet. Neben positiven Erfahrungen in der Darstellung des Anwendungsfalls geht der Beitrag auch auf noch zu lösende Probleme bei der Umsetzung ein.
„Was bringt die Verwaltungsschale bei Updates?“
Factory-X: Security-Herausforderungen meistern
Industrielle Anlagen enthalten heute viele Softwarekomponenten. Diese müssen in der Regel öfter mit Updates versehen werden. Durch den Cyber Resilience Act (CRA) sind Hersteller verpflichtet, über Security-Schwachstellen zu informieren und entsprechende Updates bereit zu stellen. Aber auch außerhalb dieser gesetzlichen Verpflichtung kommt es zu Updates oder Produktänderungen, die in einer existierenden Anlage (und deren Dokumentation) eingepflegt werden müssen. Die Verwaltungsschale (AAS) bietet sich hierfür als standardisiertes, interoperables Informationsmodell zur Unterstützung an. Im vorliegenden Beitrag wird hierzu ein AAS-basiertes Konzept zur automatisierten Benachrichtigung und standardisierten Bereitstellung von Produktund Änderungsinformationen entlang der gesamten Lieferkette vorgestellt.
„Wie kann es mit der Verwaltungsschale weiter gehen?“
Ein AAS Repository als lebender digitaler Zwilling
Die Verwaltungsschale stellt das strukturierte Informationsmodell zur Beschreibung von Assets über deren gesamten Lebenszyklus dar. Damit steht der Rahmen für herstellerneutrale Datenablage und Datenaustausch zur Verfügung. Offen bleibt dabei jedoch wie diese Daten gehalten und ausgetauscht werden. Der vorliegende Beitrag schlägt hierzu ein sogenanntes AAS Repository vor mit dem vermieden wird, dass die Daten aus der AAS nach dem Austausch wieder in proprietäre Tools kopiert werden. Anstelle der bisherigen Software-Werkzeuge mit ihren jeweils eigenen Datenablagen wird vorgeschlagen, dass AAS Apps direkt auf diesem AAS Repository arbeiten.