Vol. 67 No. 6-7 (2025): atp magazin

atp magazin 6-7/2025

Mensch dirigiert, KI orchestriert

Human-Centric Automation stellt den Menschen in den Mittelpunkt der Automatisierungstechnologie und verfolgt das Ziel, Mensch und Maschine optimal zu verbinden. In der Prozessindustrie, wo komplexe Anlagen und anspruchsvolle Steuerungsaufgaben den Alltag bestimmen, gewinnt dieses Konzept zunehmend an Bedeutung. Es geht darum, Automatisierungssysteme so zu gestalten, dass sie die Bedürfnisse der Anwender und Mitarbeitenden unterstützen, statt sie zu überfordern.

Themen wie intuitive Benutzerschnittstellen, adaptive Assistenzsysteme und die Einbindung künstlicher Intelligenz stehen dabei im Fokus. Die aktuelle Ausgabe des atp magazins widmet sich genau diesen Aspekten und beleuchtet, wie Human-Centric Automation die Effizienz, Sicherheit und Zufriedenheit in der Prozessindustrie steigern kann.

Lassen Sie sich inspirieren von Praxisbeispielen, innovativen Ansätzen und den neuesten Erkenntnissen aus Forschung und Entwicklung.

Die Interview-Highlights

Der Roboter als Laborassistent?
Der demografische Wandel macht auch vor den medizinischen Laboren Deutschlands nicht halt. Immer mehr Mitarbeitende verabschieden sich in den wohlverdienten Ruhestand und es rücken nicht genug Absolventinnen und Absolventen nach, um die Personallücke zu schließen. Warum der Einsatz von Robotern in diesem Kontext ein Gamechanger auch für kleinere Labore und Krankenhäuser sein kann, erklärt Max Novotny, Sales & Business Development Manager Lab Automation & Service Robotics bei ABB, anhand konkreter Praxisbeispiele.

„Die Verantwortung bleibt beim Menschen“

Wie sieht eine zukunftsweisende Automatisierung aus, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt? In einem exklusiven Gespräch zwischen Christine Oro Saavedra, Geschäftsführerin der NAMUR, und den beiden Anwenderinnen Dr. Sabine Pegel (Covestro) und Dr. Marleen Stieler (BASF) geht es um die Rolle von Autonomie, Remote Operation und Human-centric Automation. Gemeinsam beleuchten sie, wie sich diese Entwicklungen auf die Praxis in der Prozessindustrie auswirken – und welche Chancen und Herausforderungen damit einhergehen.

„Kognitive Robotik wird zum Wendepunkt“
Die Automatisierung steht vor einem Paradigmenwechsel. Mit der Entwicklung zur kognitiven Robotik agieren Maschinen zunehmend autonom, adaptiv und intelligent. Was bislang nur in Hightech-Fabriken denkbar war, hält nun in immer mehr Branchen Einzug – von der Logistik bis zur Pflege. Kognitive Roboter versprechen nicht nur Effizienzgewinne, sondern verändern die Art, wie Mensch und Maschine zusammenarbeiten. Zu diesem Thema wird David Reger, CEO der Neura-Robotics GmbH, auf dem 26. VDI-Kongress AUTOMATION am 1. und 2. Juli 2025 in Baden-Baden referieren. Im Vorfeld
hat er unsere Fragen beantwortet.

Die peer-reviewten Hauptbeiträge

Darstellung von Netzwerkkommunikation in Produktionsanlagen mit Augmented Reality

"Kann man Kommunikation sichtbar machen?"

In Produktionsanlagen spielt die Kommunikation zwischen einzelnen Komponenten eine immer stärkere Rolle. Deshalb kann fehlerhafte oder gestörte Kommunikation zu Ausfällen, Stillständen oder gar zu Gefahrensituationen führen. Cyberangriffe, die eine zunehmende Gefahr für Anlagen darstellen, zeigen sich auch in der Kommunikation, insbesondere durch ungewöhnlichen Datenverkehr. Die Analyse der Netz- werkkommunikation ist im IT-Bereich deutlich weiter fortgeschritten als im Bereich der OT. Die im IT-Bereich verwendeten Tools nutzen dabei in der Regel Dashboards, die auf einer sehr abstrakten, logischen Darstellung der Netzwerke basieren. Ortsinformationen spielen eine  untergeordnete Rolle. Zum Verständnis der Kommunikation in industriellen Anlagen ist aber genau diese Information sehr nützlich. Der vorliegende Beitrag präsentiert ein Konzept, mit dem Datenströme in einer Anlage über Augmented Reality direkt sichtbar gemacht werden. Dies vermeidet Medienbrüche und erlaubt eine schnelle visuelle Inspektion.

Standardisierung digitaler Informationsmodelle

"Wie werden Informationsmodelle haltbar gemacht?"

In Teil 1 dieses Beitrags in der vorigen Ausgabe des atp magazins wurde gezeigt, welche Anforderungen erfüllt sein sollten, damit Informationsmodelle sich langfristig durchsetzen können. Gerade die Nutzung über längere Zeiträume erfordert demnach Konzepte zur Pflege und Versionierung. In dem nun vorliegenden Beitrag werden solche Konzepte exemplarisch an AntomationML gezeigt. Dabei wird auch auf die Vernetzung mit weiteren Semantikstandards (z. B. ECLASS oder IEC CDD) eingegangen. Der Beitrag zeigt, dass man an vielen Stellen das Rad nicht neu erfinden muss, sondern die Kunst eher darin liegt, vorhandene Räder geschickt zu einem funktionierenden Getriebe zusammenzubauen. Damit lässt sich der Aufwand zur Erstellung eines Informationsmodells signifikant reduzieren.

Prozess- und Verschwendungsanalyse in Engineering und Inbetriebnahme

"Wo lassen sich bei der Digitalisierung Ineffizienzen beseitigen?"

„Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess.” Dieses Zitat
von Thorsten Dirks, damals CEO der Telefónica Deutschland AG, weist auf ein oft zu wenig beachtetes Problem bei der Digitalisierung von Prozessen hin und gilt mithin auch für die Digitalisierung im Anlagenengineering. Deshalb sollte vor der Digitalisierung immer eine Analyse der Prozesse stehen. Der vorliegende Beitrag befasst sich mit der Thematik und analysiert „Verschwendung“ im Anlagen-Engineering, wobei der Schwerpunkt auf dem DIAMOND-Framework liegt. Der methodische Ansatz erlaubt es, digitale Werkzeuge effizienter umzusetzen und so die oben angesprochene Problematik zu
vermeiden.

Asset representation using AAS and OPC UA

"Wie kommen Informationsmodelle zusammen?"

OPC UA und die Verwaltungsschale (Asset Admistration Shell, AAS) stellen umfangreiche Informationsmodelle zur Verfügung (Companion Specifications bei OPC UA und Submodels bei der AAS). In diesen Modellen steckt jeweils erheblicher Engineeringaufwand, der genutzt werden kann. Die Frage ist, wie schon öfter im atp magazin besprochen, nicht, welche der Technologien man nutzt, sondern wie man die beiden erfolgreich über den Lebenszyklus einer Anlage verbindet. Während die AAS gerade im Engineering und im Asset Management punktet, bietet OPC UA etablierte Funktionalität für den laufenden Betrieb einer Anlage. Dieser Thematik widmen sich nun auch die relevanten Gremien. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe arbeiten IDTA und OPC Foundation daran, entsprechende Funktionalitäten zur Verbindung der Modellwelten bereitzustellen. Der vorliegende Beitrag beschreibt die geplante Entwicklung und zeigt erste Ergebnisse.

Published: 2025-07-23

Article / Peer Review