Bd. 68 Nr. 10 (2026): atp magazin 10/2026
Insert Coin
Wie kriege ich einen digitalen Geldschlitz an meine Produkte und die Fertigung? Diese Frage steht schon seit Beginn von Industrie 4.0 im Fokus der digitalen Transformation. Die NAMUR-Hauptsitzung 2026 gibt die wichtigsten technischen Schritte der Prozessindustrie in diese Richtung vor.
Unter dem Motto „From Smart Shop Floors To Digital Business Models“ zeigt der Sponsor Pepperl+Fuchs, wie die Prozessindustrie die digitalisierte Feldebene in durchgängige Datenflüsse und neue Geschäftsprozesse überführt. Dabei stehen vor allem offene Kommunikationsinfrastrukturen und standardisierte digitale Zwillinge im Fokus.
Passend dazu erklärt Ihnen das atp magazin 10/2026, wie der technische Aufbau von digitalen Geschäftsmodellen gelingt und wie sie Ihr Kerngeschäft sinnvoll um digitale Elemente ergänzen können.
Die Interview-Highlights:
„Wir sind nicht mehr der Nabel der Welt“
Der Qualitätsvorsprung der deutschen Chemie schmilzt, und über den Preis ist der Wettbewerb nicht zu gewinnen. Marius Mühlenberg, CEO von Levaco Chemicals, setzt deshalb auf das, was die internationale Konkurrenz nicht kopieren kann: tiefes Prozesswissen, verbunden mit KI. Im Interview erklärt er, warum der größte KI-Hebel in der Prozessoptimierung und Produktion liegt und weshalb die Verschmelzung von IT und OT über die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschlands entscheidet.
„Die Industrie verliert den Überblick über ihre KI-Agenten“
KI-Agenten nutzen selbstständig Tools, greifen auf Systeme zu und führen Aktionen aus. Damit entstehen neue Cyberrisiken, auf die klassische Sicherheitskonzepte nur bedingt vorbereitet sind. Besonders in der Prozessindustrie treffen hochautomatisierte Angriffe auf komplexe IT-/OT-Strukturen und zahlreiche Legacy-Systeme. Im Interview erklärt Ross, warum Unternehmen zunehmend den Überblick über ihre Agenten und deren Rechte verlieren und weshalb Transparenz zur zentralen Voraussetzung für einen sicheren KI-Einsatz wird.
Die peer-reviewten Hauptbeiträge:
„Was hindert uns daran, Ethernet-APL einzusetzen?“
Bringing Ethernet-APL into Production - Five Key Lessons Learned
Ethernet-APL ist der Standard, mit dem die Digitalisierung in die Feldebene kommt. Der Standard ist ausgereift und entsprechend ausgerüstete Feldgeräte sind inzwischen breit verfügbar. Dennochsehen wir weiterhin klassische Instrumentierungen im Feld. Der vorliegende Beitrag beschreibt aus Anwendersicht von BASF worauf bei einer erfolgreichen Umsetzung zu achten ist. Es zeigt sich ganz klar, dass neben den technischen Punkten vor allem organisatorische Aspekte zu beachten sind. Zudem müssen die möglichen Vorteile, die der Einsatz von Ethernet-APL bringt, auch tatsächlich durch entsprechende digitale Prozesse gehoben werden.
„Wie geht es meinem Analysegerät?“
Condition-Monitoring-Merkmale für die Prozessanalysentechnik
Moderne Prozessanalysengeräte liefern eine große Zahl an Diagnose- und Zustandsinformationen. Die NAMUR hat zur Vereinheitlichung der Datenbeschreibung mit der NE107 vier Statuskategorien definiert, die die Überwachung und Wartung der Geräte vereinheitlichen und vereinfachen sollen. In Zusammenarbeit mit dem ZVEI wurde eine weitere Vereinheitlichung auf Detailebene erarbeitet. Dieser Artikel zeigt, wie standardisierte Condition-Monitoring-Daten den Übergang von planbasierter zu zustandsbasierter und prädiktiver Instandhaltung in der Prozessanalysentechnik ermöglichen. Praxisbeispiele für pH-Messungen und TOC-Analysatoren verdeutlichen das Potenzial.
„Wohin mit der Abwärme der Brennstoffzelle?“
Energy and Thermal Management for Fuel Cell Electric Trucks (Part 1)
Bei der Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs stehen batterieelektrische Antriebe im Wettbewerb mit
Brennstoffzellen-Lösungen. Bei der Diskussion um Vor- und Nachteile liegt der Fokus oft auf der reinen Versorgungsseite (elektrische Ladeinfrastruktur vs. Tankstellennetz für Wasserstoff) und der möglichen Reichweite. Tatsächlich sind aber bei beiden Lösungen im Antrieb noch große Optimierungspotenziale vorhanden. Im vorliegenden Beitrag wird für brennstoffzellenelektrische LKW das Energie- und Thermomanagement detailliert regelungsorientiert modelliert. Diese Modelle erlauben die Ableitung optimierter prädiktiver Betriebsstrategien.
„Wie kann Security im Edge-Computing erreicht werden?“
Software-Defined Automation auf Basis des offenen Margo-Standards (Teil 2)
Eine Initiative aus mehreren Herstellern der industriellen Automatisierungstechnik aber auch der Open Source Community arbeitet im Margo-Konsortium zusammen, um Standards für das Edge-Computing und die Software-Defined Automation zu entwickeln. Der Standard wurde im ersten Teil des Beitrags beschrieben (erschienen im atp magazin 6-7/2026). Der vorliegende Beitrag analysiert die Security-Architektur Margo-konformer Edge-Plattformen im Detail. Im Zentrum steht dabei vor allem das Margo Identity and Authorization Framework (MIAF) im industriellen Konzerneinsatz.