Bd. 67 Nr. 11-12 (2025): atp magazin

atp magazin 11-12/2025

Kurskorrektur zwecklos!

„Future-proofing our Industry: Milestones towards Autonomous Plants“ lautet das Motto der NAMUR-Hauptsitzung 2025. Was beim ersten Lesen noch etwas aus der Luft gegriffen wirkt, füllt der diesjährige Sponsor KROHNE in seinem peer-reviewten Hauptbeitrag (ab. S. 40, einfach zu erreichen über das Fähnchen rechts) mit reichlich Leben. Der Artikel zeigt am Beispiel der Schifffahrt: sogar in datenarmen Szenarien kann KI schon heute wirklichen Mehrwert liefern. Die Zukunft beginnt also schon jetzt!

Genau deswegen darf die Prozessindustrie den Start nicht verschlafen, sondern muss sich im Gegenteil volle Kraft voraus in Richtung KI aufmachen. Natürlich, die aktuelle wirtschaftliche Situation der Chemie- und Pharmaindustrie vereinfacht Investitionen in Zukunftstechnologien nicht, aber wer sich jetzt nicht in die Riemen legt, den verschluckt vielleicht der nächste Sturm für immer.

Der Kurs ist damit vorgegeben, alle Korrekturen zwecklos. Egal in welche Richtung Sie blicken, an KI führt auch in der Prozessindustrie kein Weg vorbei. Das atp magazin 11-12/2025 und die NAMUR-Hauptsitzung 2025 zeigen dies eindrucksvoll.

Die Interview-Highlights:

„Die Welt funktioniert nicht mehr regelbasiert“

Zur Jahresmitte 2026 gibt Dr. Gunther Kegel sein Amt als ZVEI-Präsident turnusgemäß ab, bereits seit Mai 2025 ist er nicht mehr Vorstandsvorsitzender von Pepperl+Fuchs. Vor dem Hintergrund der  geopolitischen Weltlage ordnet er zum Abschied aus dem operativen Geschäft ein, wie es um die deutsche Automatisierungstechnik bestellt ist, wie sich die heimische Prozessindustrie in Zukunft international behaupten kann und warum die NAMUR ein Sinnbild für den Standortvorteil Deutschlands ist.

„Unterschiedliche Sichtweisen bereichern die Arbeit“

Wenn Anna Yarysh über Maschinenbau spricht, spürt man sofort: Hier redet jemand mit Herz und Verstand – und mit einer klaren Vision. Die gebürtige Ukrainerin hat sich von glänzenden Metallspänen ihrer Kindheit bis zur technischen Projektleitung bei einem Berliner Sondermaschinenbauer vorgearbeitet. Ihr Weg führte sie über zwei Masterabschlüsse, durch internationale Forschungsinstitute, bis hin zu Produktionslinien der Batteriezellenfertigung. Im Interview berichtet sie über ihre Leidenschaft für technische Innovationen und warum sie an das Potenzial weiblicher Fachkräfte glaubt.

Die peer-reviewten Hauptbeiträge:

„Kann ich KI auch in regulierten Szenarien einsetzen?“

Vertrauenswürdige KI für die Prozessindustrie

Dieser Beitrag widmet sich der zentralen Frage „Wie kann ein höherer Autonomiegrad erreicht werden, ohne Sicherheit, Transparenz und Kontrollierbarkeit zu gefährden?“ und zielt damit auf das Thema der NAMUR-Hauptsitzung. Der Einsatz von KI in der Prozessindustrie wird diskutiert und insbesondere auch die Problematik der oftmals nicht in ausreichender Menge oder in nicht ausreichender Qualität vorhandenen Daten. An einem Beispiel aus der Schifffahrt werden die Probleme und Lösungsansätze anschaulich dargestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass moderne KI-Methoden in der Lage sind auch in datenarmen Szenarien robuste Aussagen liefern. Im Weiteren zeigen die Autoren auf, welche Anforderungen an Datenquellen, -transport und -verarbeitung gestellt werden müssen, um vertrauenswürdige und damit regulatorisch absicherbare KI-Modelle zu erhalten.

„Was bringt mir der Einsatz der Verwaltungsschale?“

Engineering in der Prozessindustrie mit der Verwaltungsschale (Teil 3)

Dieser Beitrag ist der dritte und abschließende Teil unserer Beitragsserie zum Thema „Engineering in der Prozessindustrie mit der Verwaltungsschale“. Bereits in Ausgabe 6-7/2024 wurde im ersten Teil zur AUTOMATION in Baden-Baden ein Zukunftsbild für einen durchgehenden Informationsfluss im Engineering auf Basis der Verwaltungsschale zur Diskussion gestellt. Zur NAMUR-Hauptsitzung 2024 folgte im Heft 11-12/2024 die Vorstellung eines evolutionären Weges zur Umsetzung dieser Vision. Im nun vorliegenden dritten Teil widmen sich die Autoren dem Thema aus Anwender-Sicht und stellen erste Erfolge an konkreten Beispielen vor. Die beschriebenen Anwendungsfälle sind durch Prototypen bestätigt und zeigen den bereits jetzt greifbaren Nutzen der Verwaltungsschale. Der Beitrag gibt zudem Handlungsempfehlungen für die weitere Umsetzung.

„Wie weise ich die funktionale Sicherheit meiner Anlage effizient nach?“

Alternative Ansätze zur Betriebsbewährtheit (Novellierte NE 130)

Die funktionale Sicherheit ist und bleibt eine der Kernaufgaben der Automatisierungstechnik. PLT-Sicherheitseinrichtungen führen Anlagen im Anforderungsfall in einen sicheren Zustand. Die  eingesetzten Geräte müssen dabei zunächst gemäß IEC 61511betriebsbewährt sein. Diese Betriebsbewährtheit nachzuweisen, stellt oftmals eine große Herausforderung dar. Der Beitrag stellt hierfür einen Lösungsansatz basierend auf der novellierten NAMUR-Empfehlung NE 130 vor. Dieser beinhaltet ein Informationsmodell zur Strukturierung von PLT-Daten und Konzepte zur Analyse von bestehender PLT-Dokumentation. Dadurch kann der Aufwand reduziert und die geforderte Dokumentation des Nachweises verbessert werden.

„Wann ist eine Anlage autonom?“

Achieving Autonomous Operations

Der Beitrag trifft direkt das Thema der NAMUR-Hauptsitzung 2025 „Future-proofing our Industry: Milestones towards Autonomous Plants“. Der Grad des autonomen Betriebs einer Anlage kann durch „Autonomous Operation Maturity Levels“ beschrieben werden. Diese Stufen reichen von 0 (vollständig manueller Betrieb) bis 5 (vollständig autonomer Betrieb). Der Beitrag beschreibt das von WIB und NAMUR entwickelte Konzept mit den Leitlinien zur Bewertung des Reifegrads bestehender Anlagen und zur Bestimmung der erforderlichen Schritte, um die jeweils nächste Stufe der Autonomie zu  erreichen. Dabei werden Anlagenmanagement, Prozessmanagement und Produktionsmanagement betrachtet.

„Wie erreiche ich Durchgängigkeit im Anlagen-Engineering?“

Datentransparenz im Anlagen-Engineering (DIAMOND)

Pünktlich zur SPS 2025 beschließt dieser Beitrag unsere Reihe zum DIAMOND-Projekt. Der Beitrag fasst zunächst die in vorigen Beiträgen im atp magazin detailliert vorgestellten Einzelaspekte des DIAMOND-Projekts zusammen und ordnet sie in ein übergeordnetes Gesamtbild ein. Darauf aufbauend wird  gezeigt, wie das Konzept und das vorgeschlagene Common Data Model in bestehende Tool-Chains integriert werden kann. Die exemplarisch behandelten Datenmodelle reichen vom Anlagenlayout (incl. TGA) über Elektroplanung (ECAD) und Funktionsprogrammierung (SPS), bis zur virtuellen Inbetriebnahme.

Veröffentlicht: 25.11.2025

Hauptbeitrag / Peer-Review

Work-In-Progress Beitrag / Peer-Review